
ACHTSAMKEIT
Achtsamkeit meint das offene und nicht bewertende Wahrnehmen dessen, was in diesem Augenblick da ist.
Das klingt zunächst einfach, ist im Alltag jedoch oft ungewohnt. Denn wenn innere Unruhe, Angst oder belastende Gedanken auftauchen, versuchen wir meist sofort, sie unter Kontrolle zu bringen.
Wir lenken uns ab, analysieren, grübeln weiter oder versuchen mit aller Kraft, den Zustand zu verändern.
Schauen Sie einmal ehrlich zurück:
Hat dieser Versuch von Kontrolle wirklich funktioniert?
Oder gab es vielleicht auch Momente, in denen sich ein Zustand von selbst verändert hat – genau in dem Augenblick, als Sie aufgehört haben, dagegen anzukämpfen?
Hier setzt Achtsamkeit an.
Statt immer wieder gegen das eigene Erleben zu arbeiten, lernen wir, einen Schritt zurückzutreten und wahrzunehmen, was gerade geschieht. Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen dürfen auftauchen und wieder weiterziehen.
Man nimmt eine andere Position ein: nicht mehr mitten im Sturm, sondern eher als interessierter und geduldiger Beobachter dessen, was im Inneren passiert.
Viele Menschen machen dabei eine überraschende Erfahrung.
Zustände verändern sich oft schneller, wenn wir aufhören, sie ständig kontrollieren zu wollen.
Innere Unruhe verliert dann nach und nach ihren bedrohlichen Charakter. Sie wird vielleicht zu einer gewissen Aufgeregtheit – aber nicht mehr zu etwas, das das ganze Leben bestimmt.
ACHTSAMKEIT IM ALLTAG
Achtsamkeit ist keine abstrakte Idee, sondern eine Erfahrung, die man üben kann.
Dafür gibt es verschiedene formale Übungen, etwa Meditation oder Körperwahrnehmung, aber auch viele kleine Möglichkeiten im Alltag: beim Atmen, beim Gehen, beim Wahrnehmen des eigenen Körpers.
In der Therapie geht es deshalb nicht nur um Gespräche oder neue Gedanken über sich selbst. Entscheidend ist die eigene Erfahrung: im eigenen Körper zu spüren, wie sich eine ruhigere, offenere Haltung anfühlen kann.
Mit der Zeit entsteht daraus etwas sehr Praktisches: eine innere Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten einen Schritt zurückzutreten.
Wenn starke Gedanken oder Gefühle wieder auftauchen, müssen sie nicht mehr sofort bekämpft werden. Man kann lernen, sich von ihnen bewegen zu lassen, ohne von ihnen überwältigt zu werden.
Oder einfacher gesagt:
Die Wellen dürfen kommen, aber man lernt, auf ihnen zu bleiben, statt ständig gegen sie anzuschwimmen.
