
Angst vor Krankheiten
WIE SCHLIMM IST MEINE ANGST VOR KRANKHEITEN ?
Sich anhaltend mit der Möglichkeit zu beschäftigen, schwere körperliche Erkrankungen zu haben, kann sich langfristig in einer sogenannten Hypochondrie manifestieren. Im Allgemeinen werden körperliche Empfindungen auf eine bestimmte Krankheit hin interpretiert. Dabei beziehen sich die ängstlichen Befürchtungen auf
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die Körperfunktionen wie den Herzschlag, die Verdauung oder Belastungssymptome wie Schwitzen
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kleine körperliche Verletzungen oder Beschwerden wie ein zeitweiliger Husten, eine kleine Wunde oder Hautentzündung
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undefinierte körperliche Wahrnehmungen wie ziehende Schmerzen oder Nervenschmerzen.
Es müssen nicht unbedingt körperliche Symptome vorliegen. Es können auch Ängste bestehen, ohne aktuelle körperliche Beschwerden, wie beispielsweise Furcht vor einer Krebserkrankung oder einer anderen schwerwiegenden Krankheit.
WARUM ENTWICKELN SICH KRANKHEITSÄNGSTE?
Es gibt verschiedene Auslöser für die Entwicklung von einer Angst vor Krankheiten. Häufig beginnt es nach einer tatsächlichen Erkrankung, sei sie selbst durchlebt oder im Umfeld beobachtet. Ein schwerwiegender Krankheitsverlauf in der Familie oder im Freundeskreis kann zu einer erhöhten Wachsamkeit gegenüber den eigenen Körperfunktionen führen. Manchmal ist es auch eine Kombination aus genetischen Faktoren und Erziehung. Menschen, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem Krankheiten eine zentrale Rolle spielen, entwickeln zunehmend eine verstärkte Achtsamkeit gegenüber ihrem Körper und neigen dazu, harmlos zu sein
Darüber hinaus gibt es psychologische Erklärungen für die Entstehung von Hypochondrie. Ängstliche Menschen neigen dazu, negative Informationen über ihren Körper stärker zu verarbeiten. Sie richten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf körperliche Symptome und interpretieren diese als bedrohlich. Dies wird häufig durch Informationen aus dem Internet verstärkt, wo Symptome in Verbindung mit schwerwiegenden Krankheiten stehen, was die Angst zusätzlich befeuern kann.
WAS SIND DIE FOLGEN UNBEHANDELTER KRANKHEITSÄNGSTE?
Unbehandelte Krankheitsängste können zu einem hohen Leidensdruck führen und das tägliche Leben massiv einschränken. Betroffene meiden unter Umständen soziale Kontakte, um sich vor vermeintlichen Krankheitserregern zu schützen. Auch die ständige Selbstüberwachung und wiederholte Arztbesuche können zu einer erheblichen Belastung werden – sowohl für die Betroffenen als auch für ihr Umfeld. Hinzu kommt, dass Krankheitsängste häufig mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen einhergehen. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem sich die Betroffenen immer mehr zurückziehen und sich ihre Ängste weiter verstärken.
WIE KÖNNEN KRANKHEITSÄNGSTE BEHANDELT WERDEN?
Die gute Nachricht ist: die Angst vor Krankheiten ist behandelbar. In der Psychotherapie, insbesondere der kognitiven Verhaltenstherapie, lernen Betroffene, ihre Ängste zu erkennen und anders mit ihnen umzugehen. Es geht darum, den Teufelskreis aus Angst, Selbstbeobachtung und Fehlinterpretation von Symptomen zu durchbrechen. Betroffene lernen, ihre negativen Denkmuster zu hinterfragen und die Kontrolle über ihre Gedanken zurückzugewinnen. Dabei wird ihnen geholfen, realistische Einschätzungen über ihre Gesundheit zu entwickeln und mit Unsicherheiten umzugehen, ohne in Panik zu geraten.
Eine vertrauensvolle Beziehung zum behandelnden Arzt oder Therapeuten spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Austausch über die Ängste, ohne sie zu bagatellisieren, schafft ein Verständnis für die belastende Situation der Betroffenen. Geduld ist dabei wichtig, da der Weg aus der Hypochondrie ein Prozess ist, der Zeit und Engagement erfordert.
KANN ICH DEM ARZT VERTRAUEN ?
Den Betroffenen fällt es schwer, den Diagnosen und Versicherungen mehrerer Ärzte dahingehend zu vertrauen, dass den körperlichen Symptomen keine ausreichende organische Ursache zugrunde liegt. Sorgfältige Untersuchungen und medizinische Ergebnisse beruhigen allenfalls direkt nach der Feststellung oder für einige Wochen. In der Folge kommt es häufig zu einem Arztwechsel oder es werden Ärzte verschiedener Fachrichtungen aufgesucht, da ein Gefühl entsteht, keine adäquate Behandlung zu finden. Auch kann ein anfänglich überschwängliches Lob für einen Arzt oder Therapeuten („Endlich finde ich Hilfe bei Ihnen“) alsbald in einer Enttäuschung münden („Sie können mir wohl auch nicht weiterhelfen“).
Im Rahmen von ärztlichen Untersuchungen werden bei Krankheitsängsten häufig nur die körperlichen Beschwerden genannt, die aus Sicht der Betroffenen einer Abklärung bedürfen. Die dahinterliegenden Ängste und Befürchtungen, wie zum Beispiel, einen Tumor zu haben oder einen Herzinfarkt zu erleiden, die anhaltende Beschäftigung damit und die beharrliche Selbstbeobachtung kommen erst durch weiteres Nachfragen zur Sprache. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient ist nicht selten von Ärger und Frustration geprägt, da eine Überweisung zum Psychotherapeuten häufig den Eindruck vermittelt, dass die Ängste und Sorgen nicht ernst genug genommen werden.
AUSBLICK
Krankheitsängste sind eine ernstzunehmende Belastung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Sie gehen oft mit einer intensiven Selbstbeobachtung und der Befürchtung schwerer Erkrankungen einher, selbst wenn keine organischen Ursachen vorliegen. Der Weg zur Heilung führt in den meisten Fällen über eine psychotherapeutische Behandlung, die dabei hilft, die Ängste zu bewältigen und ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Dabei spielt das Vertrauen in ärztliche und therapeutische Fachkräfte eine zentrale Rolle.
